Fußfetischismus in Frankreich
Vom offenen Umgang mit Lust, Lifestyle und Literatur
Als einen typisch französischen Fetischismus titulierte der Sexualwissenschaftler Krafft-Ebing einst den Fuß- und Schuhfetischismus. Letzteren benannte er dann auch passender Weise in der „Psychopathia Sexualis“ nach dem französischen Literaten Rétif de la Bretonne (siehe Ausgabe 3)- als „Bretonnismus“.
Ganz Unrecht scheint er mit seiner flapsigen Aussage aber nicht gehabt zu haben – verglichen mit der Situation in Deutschland wird hier - in Frankreich - zumindest weit offener und viel natürlicher mit dieser sexuellen Präferenz umgegangen.
Die Pariser Damen sind offen im Umgang mit FußfetischismusWährend im deutschsprachigen Raum die Fußfetischszene sich weitgehend vom Rest der BDSM-Subkultur abgekapselt hat und man auch nur sehr selten Fußfetischisten auf Partys antrifft, ist man zumindest in Paris szeneintern integriert. Der Anblick von Subs, die den Damen die Füße verwöhnen, gilt hier als genauso „normal“ wie der von Latexkleidung oder Reitgerten. Gleichzeitig scheinen die Pariserinnen auch jenem Vergnügen weniger abgeneigt zu sein – und die Wahrscheinlichkeit einen Korb zu bekommen, auf die höfliche Bitte, einer Dame die Füße verwöhnen zu dürfen ist ungleich geringer als in Deutschland.
Gelegentlich ist Fuß- und Schuhfetischismus gar das inspirierende Thema für eine Fetischparty – wie z.B. in regelmäßigen Abständen bei der „Nuit Elastique“, der dienstältesten Fetischparty in Paris. Neben jenen Partys zeigt sich die Akzeptanz auch bei den vom Paris M, einem äquivalent der BDSM-Vereine in Deutschland existierende Organisation, organisierten Workshops. So finden sich neben Bondage-Kursen wiederholt auch Trampling-Workshops im Angebot.
Auf dem klassischen Literaturmarkt in Frankreich gibt es daher auch eine Vielzahl von Titeln, in denen dieser Fetisch eine Rolle spielt – von einheimischen Autoren bis hin zu Übersetzungen aus dem Japanischen (Tanizaki, Ogawa, Matsuura).
Ein relativ neues Sachbuch über das Thema hat der ehemalige Figaro-Journalist Jean-Marc Fombonne 2008 beim Verlag Payot vorgelegt – „Aux pieds des femmes. Erotique du pied et de la chaussure“. In diesem Buch präsentiert er un- und außergewöhnliche Fundstellen aus der Weltliteratur über die Erotik des Fußes. Die klassischen Guides / Sachbücher über jenen Fetisch sucht man hingegen vergeblich. Es gab zwar vor ein paar Jahren eine Neuauflage der Übersetzung von William Rossis Werk unter dem Titel „Erotisme du pied et de la chaussure“, aber eigenständige Veröffentlichungen zu diesem Thema fehlen im französischen Sprachraum ebenso wie entsprechende Internetforen.
Ein bereits vor ein paar Jahren seitens der Edition Tabou, dem zweitgrößten französischen Verlag für Erotikliteratur, angekündigter Titel über Fußfetischismus wurde noch immer nicht veröffentlicht.
von Camillo Rack