Burusera Shops
Das Geschäft mit getragener Wäsche
Vor allem durch das Internet boomte der Handel mit getragener Unterwäsche weltweit. Doch was in der westlichen Welt mehr oder weniger hinter vorgehaltener Hand geschieht und von gesellschaftlicher Akzeptanz weiter entfernt ist, als die Erde vom Mond, ist in Japan etwas ganz „normales“. Denn dort kann man in den sogenannten Burusera Läden ganz beiläufig getragene Unterwäsche kaufen, wie eine Packung Cornflakes im Supermarkt.
Burusera setzt sich im japanischen aus den Wörtern burumâ (knappe Sporthöschen) und sêrâ-fuku (Deutsch: Matrosenkleid, Bezeichnung der japanischen Schuluniform für Mädchen) zusammen.
Jung, jünger, grenzwertig
Die Anfänge der Burusera Shops
Im Prinzip handelt es sich bei den Burusera-Läden um Sex-Shops, die auch getragene Unterwäsche, Hygieneartikel und Körperflüssigkeiten von Frauen anbieten. Ursprünglich boten Burusera Shops vor allem minderjährigen Schulmädchen die Möglichkeit, ihre getragene Unterwäsche sicher zu verkaufen und sich dadurch das Taschengeld aufzubessern.
Was nun ein entsetztes Aufblicken westlicher Leser hervorgerufen haben mag, war in Japan zu Beginn der Burusera Läden weder etwas Besonderes, noch etwas Verbotenes. Tatsächlich sind nach Schulschluss Mädchen jeden jungen Alters zu den Burusera Läden marschiert, haben kurz ein Foto von sich schießen lassen und anschießend gegen Bares ihre Unterwäsche zurückgelassen, die dann schnell in den Besitz der nicht selten schon vor Ort wartenden Kundschaft überging.
Erst auf massiven, internationalen Druck wurde im Jahre 1998 ein Gesetz erlassen, das die pornographische Darstellung Minderjähriger und dementsprechend den Verkauf von getragener Unterwäsche von Schulmädchen in jeglicher Form verbot. Erst mit diesem Gesetz, wurde auch der sexuelle Verkehr mit Minderjährigen unter Strafe gestellt, was die weit verbreitete Prostitution von Schulmädchen eindämmen sollte. Fortan waren – offiziell zumindest – nur noch Artikel volljähriger Frauen in den Burusera Shops erhältlich.
Fast alles, was der Körper hergibt
Burusera Läden heute
Kauft das wirklich jemand?
Burusera Läden erziehlen hohe Absätze.
Derzeit sind in Tokyo rund 40 Burusera Läden vertreten, die alles anbieten, was das geneigte Fetischherz begehrt – von getragenen Höschen, über getragene Socken, Schuhe, alle mögliche Kleidungsstücke, bis hin zu Fingernägeln, Fußnägeln, Slip Einlagen, Tampons, Schamhaare, Speichel oder auch Urin. Und in der Tat handelt es sich dabei um einen Markt, der einen hohen Absatz erzielt. Zu den Kunden zählen dabei reiche Geschäftsmänner ebenso, wie gewöhnliche Arbeiter. Und was für den Touristen als „perverse Attraktion“ gilt, ist für den Japaner nichts anderes, als bei uns der Kauf eines Pornofilms.
Ein Vergleich, der hinkt? Keineswegs, denn in Japan ist Pornographie seit jeher verboten. Geschlechtsteile dürfen dort auch für Erwachsene nur in zensierter Form dargestellt werden, was in Anbetracht des übrigen Angebots der Sex-Shops durchaus ein wenig grotesk wirken mag.
Mythos oder Wahrheit?
Getragene Wäsche aus Automaten
In Japan gibt es eigentlich nichts, was es nicht gibt und so bieten einige Burusera Shops ihre Ware auch an Automaten an, wo man nach Geldeinwurf direkt die getragene Unterwäsche „ziehen“ kann. Natürlich finden sich solche Automaten nicht im Familien-Einkaufscenter, sondern überwiegend im Rotlichtviertel, in der Nähe der Burusera-Shops und nicht selten im Laden selbst, wie Ihr in dem Videos sehen könnt.
Um diese ominösen Automaten ranken sich aber noch heute die abstrusesten Geschichten und ein englischsprachiger Blog zieht hier gar einen Vergleich zu Schottlands größter Berühmtheit „Nessie“ aus dem Loch Ness. Doch während Nessie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Mythos bleiben wird, floriert das Geschäft mit der getragenen Unterwäsche in Japan nach wie vor.
Im Internet findet sich häufig die Information, dass die Automaten Mitte der neunziger Jahre verboten wurden, was aber nicht ganz richtig ist. Ebenso, wie in den Burusera-Läden auch, wurde lediglich das Angebot der Wäsche Minderjähriger verboten.